So funktioniert der automatisierte Test

barrieretest.at nutzt automatisierte Tests für einen schnellen Erstcheck. Optional kann eine KI-Analyse ergänzt werden, wenn Sie sie aktivieren und die Funktion verfügbar ist. Hier erfahren Sie, was hinter den Kulissen passiert und wo die Grenzen liegen.

Überblick: Was passiert bei einem Test?

Ein Test öffnet Ihre Seite genau einmal in einem Headless-Browser. In dieser Sitzung läuft zuerst eine technische Analyse mit axe-core, danach die Darstellungsprüfungen in acht Darstellungen derselben Seite. Wenn aktiviert, läuft auf derselben Seite außerdem eine KI-basierte semantische Analyse (Vision + Text). Alle Phasen teilen sich denselben Browser, um doppelten Aufwand zu vermeiden.

Phase 1: Technische Analyse mit axe-core

Die Open-Source-Engine axe-core wird direkt in der geladenen Seite ausgeführt und prüft den DOM auf Verstöße gegen WCAG 2.2-Kriterien. Sie erkennt z.B. fehlende Alt-Texte, Kontrast-Probleme oder fehlende Labels. Abgewickelt wird das über die Open-Source-Bibliothek @barrieretest/core.

Phase 2: Darstellungsprüfungen

Dieselbe geladene Seite wird anschließend in acht Darstellungen gemessen und aufgenommen: in Desktop-, Smartphone- und sehr schmaler Breite, im Dunkelmodus, mit drei simulierten Farbsehschwächen und mit größeren Textabständen. Dabei wird zum Beispiel geprüft, ob Inhalte abgeschnitten werden, ob Texte überlappen oder ob ein Link sich nur durch eine Farbe unterscheidet, die manche Menschen nicht sehen.

Phase 3: KI-basierte Analyse (optional)

Wenn aktiviert, erstellt das System direkt im selben Browser einen Screenshot und extrahiert relevante HTML-Elemente. Diese Daten werden an ein multimodales Modell bei Mistral AI gesendet, das semantische Probleme erkennen kann, die technische Tools übersehen (z.B. unklare Beschriftungen, verwirrende Layouts, nicht passende ARIA-Labels). Schlägt dieser Schritt fehl, bleiben die technischen Ergebnisse davon unberührt.

Phase 4: Score-Berechnung & Ergebnis

Basierend auf den gefundenen Problemen wird ein Score von 0-100 berechnet. Das System interpretiert den Score und gibt Ihnen konkrete Handlungsempfehlungen.

Darstellungsprüfungen: So sehen andere Ihre Seite

Viele Barrieren zeigen sich erst, wenn eine Seite anders dargestellt wird als am Entwickler-Bildschirm. Deshalb wird jede geprüfte Seite in acht Darstellungen gemessen und aufgenommen:

  • Desktop (1280 Pixel) und Smartphone (360 Pixel): Inhalte, die in der breiten Darstellung zu sehen sind, in der schmalen aber fehlen, ohne dass ein Bedienelement sie zurückholt. Außerdem Schaltflächen und Links, die am Handy zu klein oder zu eng beieinander liegen (WCAG 2.5.8).
  • Sehr schmal (320 Pixel): Das entspricht 1280 Pixel bei 400 Prozent Zoom. Hier zeigt sich, ob quer gescrollt werden muss, ob Text abgeschnitten wird oder ob Texte überlappen (WCAG 1.4.10).
  • Dunkelmodus: Kontraste, die nur im dunklen Farbschema zu gering sind.
  • Rot-Schwäche, Grün-Schwäche und Graustufen: Links und Zustände, die sich allein durch eine Farbe unterscheiden, die diese Menschen nicht sehen. Die Simulation entspricht der von Chrome.
  • Größere Textabstände (WCAG 1.4.12): Ob das Layout hält, wenn Zeilen-, Wort- und Absatzabstände vergrößert werden, wie es manche Menschen einstellen.

Die Aufnahmen dieser Darstellungen sehen Sie im Ergebnis unter „So sehen andere Ihre Seite“, mit den Markern der jeweiligen Ansicht. Sie werden wie die Seitenansicht nur etwa eine Stunde im Arbeitsspeicher gehalten und dann gelöscht; die Befunde bleiben erhalten.

Diese Befunde zählen in den Score. Sie werden wie alle anderen technischen Befunde gewichtet. Dadurch liegt der Score vieler Websites niedriger als vor der Einführung dieser Prüfungen, und Ergebnisse aus früheren Scans sind nicht direkt mit neuen vergleichbar.

Kostenlose Scans und Tageslimits

  • Drei Scans pro Website und Tag: Ohne Konto prüfen Sie jede öffentlich erreichbare Seite kostenlos, bis zu dreimal pro Website und Tag und höchstens zehnmal pro Tag insgesamt. Als Website gilt die registrierbare Domain: www.beispiel.at, shop.beispiel.at und beispiel.at sind dieselbe Website.
  • Zehn Scans für Ihre eigene Website: Mit kostenlosem Konto und bestätigter E-Mail-Adresse legen Sie im Konto eine Website fest und prüfen diese zehnmal pro Tag, zusätzlich zu den zehn Scans für alle anderen Websites. Die festgelegte Website können Sie alle 30 Tage wechseln.
  • Mit Guthaben ohne Tageslimit: Solange ein Guthaben-Paket gültig ist, gelten für Einzelseiten-Scans keine Tageslimits. Mehrere Seiten auf einmal prüfen Sie ohnehin mit Guthaben.
  • Zählung pro Kalendertag: Die Tageslimits für Scans und für kostenlose KI-Analysen beziehen sich auf den Kalendertag in der Zeitzone Europe/Vienna und stehen ab Mitternacht wieder zur Verfügung. Die optionale KI-Analyse hat ihr eigenes Kontingent von drei kostenlosen Analysen pro Tag.

Mehrseiten-Scans und Scan-Guthaben

Der Test einer einzelnen Seite ist kostenlos und ohne Konto möglich. Ganze Websites prüfen Sie mit einem Mehrseiten-Scan. Dafür brauchen Sie ein kostenloses Nutzerkonto und Scan-Guthaben.

So läuft ein Mehrseiten-Scan ab

  1. Seiten sammeln: Nach einem Einzeltest erkennt barrieretest.at über die Sitemap und verlinkte Seiten, welche weiteren Unterseiten Ihre Website hat, und bietet an, diese mitzuprüfen. Im Scan-Bereich können Sie Unterseiten auch direkt automatisch erkennen lassen oder eine eigene Liste von URLs eingeben. Doppelte Einträge werden automatisch entfernt.
  2. KI-Analyse je Seite wählen: Vor dem Start legen Sie fest, für welche Seiten zusätzlich die KI-Analyse laufen soll. Sie kostet kein zusätzliches Guthaben, zählt aber auf das tägliche KI-Kontingent von barrieretest.at.
  3. Jede Seite wird einzeln getestet: Ein Mehrseiten-Scan besteht aus vielen Einzeltests. Jede Seite wird wie oben beschrieben in einer eigenen Browser-Sitzung geprüft und erhält einen eigenen Score. Pro Scan sind bis zu 100 Seiten möglich; für größere Websites starten Sie mehrere Scans.
  4. Ergebnisse verfolgen: In der Scan-Ansicht sehen Sie den Live-Status jeder Seite, eine Zusammenfassung der häufigsten Probleme über alle Seiten hinweg und die Detailergebnisse je Einzelseite. Schlägt eine Seite fehl, laufen die übrigen weiter; blockiert Ihre Website den Scanner schon auf der ersten Seite, stoppen wir den Scan sofort und buchen das Guthaben zurück. Mit Konto finden Sie Ihre Ergebnisse 30 Tage ab Erstellung des Scans wieder; danach werden sie endgültig gelöscht. Das Löschdatum steht bei jedem Ergebnis.

So funktioniert das Scan-Guthaben

  • Ein Guthaben, eine Seite: Bei einem Mehrseiten-Scan mit Guthaben verbraucht jede geprüfte Seite genau ein Guthaben, unabhängig davon, ob die KI-Analyse aktiviert ist. Der kostenlose Einzeltest verbraucht kein Guthaben.
  • Pakete: Paket S enthält 50 Guthaben, Paket L 200 Guthaben. Den Preis sehen Sie vor dem Kauf im Konto. Scan-Guthaben richtet sich an Unternehmer:innen; ein Verbrauchergeschäft ist nicht vorgesehen.
  • Gültigkeit: Guthaben ist 30 Tage ab Kauf gültig. Beim Verbrauch wird zuerst das Guthaben mit dem ältesten Ablaufdatum verwendet.
  • Erstattung bei Fehlern: Kann eine Seite technisch nicht geprüft werden, wird das dafür verbrauchte Guthaben automatisch als Guthaben zurückgebucht. Dasselbe gilt, wenn Sie für eine Seite die KI-Analyse aktiviert haben und diese fehlschlägt. Die Gültigkeitsdauer des Pakets bleibt dabei unverändert. Warum Scans fehlschlagen und was Sie dagegen tun können, steht unter Wenn ein Scan fehlschlägt.
  • Verbrauchshistorie: Ihr Konto zeigt, welche URL wann geprüft wurde. Die URL wird mit der Löschung des Scans entfernt. Die vollständigen Regeln stehen in den AGB.

Datenminimierung und Tracking

Der Dienst ist bewusst datensparsam gebaut: so wenig Tracking wie möglich, aber genug technische Verarbeitung, um Tests durchzuführen, Missbrauch zu begrenzen und Fehler zu finden.

  • Keine Werbeprofile, kein Retargeting und keine versteckten Newsletter-Anmeldungen.
  • Cookielose Reichweitenmessung mit Plausible für grobe Nutzungsstatistiken.
  • Minimierte Server-Access-Logs ohne IP-Adresse, User-Agent, Referrer oder Query-String.
  • Bei Nutzerkonten werden für Anmeldung und Sitzungssicherheit Session-IP-Adresse und User-Agent gespeichert.
  • Bei einem Test werden URL und IP-Adresse für Durchführung, Rate-Limiting und Zugriffsschutz verarbeitet.
  • Mehrseiten-Scans und mit Guthaben gestartete Scans werden dem Konto zugeordnet.
  • Scan-Daten werden 30 Tage ab Erstellung des Scans gespeichert und danach vollständig gelöscht; einzelne Ergebnisse werden nicht wiederhergestellt.
  • URLs in der Guthaben-Verbrauchshistorie werden mit der Löschung des Scans entfernt.

Welche Daten werden an die KI übertragen?

Die KI-Analyse ist optional. Wenn Sie sie aktivieren, werden folgende Daten an den KI-Anbieter (Mistral AI) übertragen:

Übertragene Daten:

  • •Screenshot: Ein PNG-Bild der gesamten geprüften Seite (Full-Page, in Desktop-Breite aufgenommen)
  • •HTML-Kontext: Ausschnitte des HTML-Codes, um der KI Kontext zu geben (Details siehe unten)
  • •URL: Die getestete URL (für Referenz im Ergebnis)

HTML-Kontext: Was genau wird extrahiert?

Um die KI-Analyse effizient zu halten, werden nur relevante Teile des HTML-Codes extrahiert. Folgende Limits gelten:

Element-TypLimitBeschreibung
<head>1.000 ZeichenAnfang des <head>-Bereichs (Metadaten, Titel)
<body>8.000 ZeichenAnfang des <body>-Bereichs (Hauptinhalt)
ARIA-Elementemax. 50 ElementeElemente mit aria-label, aria-labelledby, etc.
Formular-Elementemax. 50 Elementeinput, select, textarea, button
Bildermax. 30 Elemente<img>-Tags mit alt-Attributen
Landmarksmax. 50 Elementemain, nav, aside, header, footer, [role]

Diese Limits sind fest konfiguriert und wurden so gewählt, dass die KI-Analyse effizient und kostengünstig bleibt, während ausreichend Kontext für eine sinnvolle Analyse bereitgestellt wird.

Wie wird der Score berechnet?

Der Barrierefreiheits-Score reicht von 0 bis 100 Punkten. Die Berechnung basiert auf den gefundenen Problemen und deren Schweregrad.

Berechnungsformel

1.
Start bei 100 Punkten

Jede Website beginnt mit der perfekten Punktzahl.

2.
Punktabzug je verletzter Regel und Schweregrad
KRITISCH-26 Punkte pro Regel
SCHWERWIEGEND-10 Punkte pro Regel
MITTEL-3 Punkte pro Regel
3.
Wiederholte Vorkommen

Verletzt eine Regel mehrere Elemente, wird sie trotzdem nur einmal abgezogen. Der Abzug wächst mit der Anzahl, aber gedämpft: bei 2 Vorkommen das Doppelte, bei 4 das Dreifache, bei 8 das Vierfache des Grundwerts. So drückt eine einzige wiederkehrende Ursache den Score deutlich weniger stark als bisher.

4.
Minimum-Score

Der Score wird auf 5 Punkte begrenzt (oder 1 Punkt bei mehr als 100 Problemen).

Beispiel-Berechnungen

Szenario 1: Keine Probleme gefunden

Berechnung: 100 - 0 = 100

Ergebnis: 100 Punkte (Ausgezeichnet)

Szenario 2: 1 kritische + 2 mittlere Regeln, je ein Vorkommen

Berechnung: 100 - 26 (kritisch) - 3 (mittel) - 3 (mittel) = 68

Ergebnis: 68 Punkte (Verbesserungsbedarf)

Szenario 3: 2 kritische Regeln + 1 schwerwiegende Regel auf 8 Elementen

Berechnung: 100 - 26 (kritisch #1) - 26 (kritisch #2) - 40 (schwerwiegend, 8 Vorkommen: 10×4) = 8

Ergebnis: 8 Punkte (Schwerwiegend)

In diese Rechnung gehen auch die Befunde der Darstellungsprüfungen ein, mit demselben Gewicht wie die übrigen technischen Befunde. Scores aus Scans vor der Einführung dieser Prüfungen sind deshalb nicht direkt mit neuen vergleichbar.

Was bedeutet mein Score?

Basierend auf Ihrem Score werden Sie in eine von fünf Kategorien eingeteilt, jeweils mit konkreten Handlungsempfehlungen:

95-100 PunkteAUSGEZEICHNET

Keine oder sehr wenige automatisch erkennbare Probleme. Regelmäßige manuelle Tests werden empfohlen.

70-94 PunkteGUT

Einige kleinere Probleme gefunden. Diese sollten behoben werden.

40-69 PunkteVERBESSERUNGSBEDARF

Mehrere Probleme gefunden. Ein professionelles Audit wird empfohlen.

15-39 PunkteKRITISCH

Viele Probleme gefunden. Priorisieren Sie zentrale Nutzerflüsse zeitnah.

0-14 PunkteSCHWERWIEGEND

Sehr viele kritische Probleme. Starten Sie zeitnah mit einer fokussierten Prüfung und den wichtigsten Nutzerflüssen.

Aktuelle Einschränkungen

Wichtig: Automatisierte Tests können nur etwa 30-40% aller WCAG-Kriterien prüfen. Viele Aspekte der Barrierefreiheit erfordern manuelle Prüfungen oder Tests mit assistiven Technologien.

Welche Bereiche Sie prüfen sollten, zeigt die Checkliste: Website auf Barrierefreiheit prüfen von Solasit.

Was kann NICHT automatisch geprüft werden?

  • Semantische Korrektheit: Ob Überschriften logisch strukturiert sind und Inhalte sinnvoll beschreiben
  • Alt-Text-Qualität: Ob Alt-Texte wirklich aussagekräftig sind (nicht nur ob sie vorhanden sind)
  • Tastaturnavigation: Ob die Website vollständig per Tastatur bedienbar ist (Tab-Reihenfolge, Focus-Management)
  • Screenreader-Kompatibilität: Wie gut die Website mit JAWS, NVDA, VoiceOver etc. funktioniert
  • Verständlichkeit: Ob Texte einfach verständlich sind (Plain Language)
  • Kognitive Barrierefreiheit: Ob die Navigation konsistent und vorhersehbar ist

Technische Einschränkungen

  • Seite für Seite: Jeder Test prüft genau eine URL. Ein Mehrseiten-Scan besteht aus mehreren solchen Einzeltests; Seiten, die nicht in der Liste stehen, werden nicht automatisch mitgeprüft
  • Viewport: Die Regelprüfung läuft in Desktop-Breite; die Darstellungsprüfungen messen zusätzlich 360 und 320 Pixel Breite. Jede Aufnahme umfasst die gesamte Seitenhöhe
  • JavaScript-Apps: Bei dynamisch geladenen Inhalten kann es zu Verzögerungen kommen
  • Cookie-Banner: Das Tool versucht automatisch Cookie-Banner zu schließen, kann aber nicht alle Varianten erkennen
  • KI-Limits: Nur die ersten 50 ARIA-Elemente, 50 Formular-Elemente, 30 Bilder und 50 Landmarks werden analysiert

Open Source & Transparenz

barrieretest.at nutzt folgende Open-Source-Technologien:

  • @barrieretest/core (MIT) - Eigene Open-Source-Bibliothek, bündelt die Orchestrierung von axe-core-Tests und der semantischen KI-Analyse
  • axe-core (MPL-2.0) - Engine für technische Barrierefreiheits-Prüfungen
  • Puppeteer (Apache 2.0) - Browser-Automatisierung
  • Next.js (MIT) - Frontend-Framework
  • React (MIT) - UI-Library

Die Limits und Scoring-Logik wurden sorgfältig entwickelt, um eine ausgewogene Balance zwischen Genauigkeit, Performance und Kosteneffizienz zu gewährleisten.

Fragen oder Anmerkungen?

Wenn Sie Fragen zur Funktionsweise haben, schreiben Sie uns gerne. Mehr über professionelle Barrierefreiheits-Audits erfahren Sie bei Solasit:

Weitere Informationen: